Von Fango, Kreide und Moor: Schlamm macht nicht nur schön

Weiß, ocker, braun und schwarz sind die Farben der heilenden Erden, die unter dem Oberbegriff „Schlamm“ zusammengefasst werden. Schon 3000 vor Christus behandelten die alten Ägypter Gliederschmerzen, Rheuma und Hautprobleme mit feinen Tonerden aus dem Nil. Die natürliche Eigenschaft des Schlamms, krankheitserregende Mikroorganismen abzutöten, nutzten sie zum Konservieren ihrer Mumien. Genau diese Wirkung ist es, die auf lebendiger Haut so heilsam und verschönernd wirkt: Schädliche Stoffe werden heraus gezogen, Mineralien zugeführt, Verletzungen schwellen ab, Entzündungen trocknen. Ein Segen für Aknegeplagte und Neurodermitiker, doch auch ganz normale Haut wird wunderbar streichelzart. Zudem gleicht die Heilerde das Base-Säure-Gleichgewicht aus – und das nicht nur äußerlich: als Heiltrunk eingenommen, wirkt sie entgiftend und senkt hohe Blutfettwerte. Im Wellness-Bereich erlebt der natürliche Stoff heute eine vielfältige Renaissance. Hier eine kleine Übersicht über die gängigen Schlamm-Varianten und Behandlungsweisen:

Kreide und Fango nennt man auch die „wärmespeichernden Geschwister”: Die Rügener Kreide ist 70 Millionen Jahre alt, Naturfango hat 40 Millionen Jahre auf dem Buckel. Beide Stoffe speichern Wärme etwa eine dreiviertel Stunde und lindern Rheuma, Rücken- und Gelenkbeschwerden, Neuralgie und Ischias. Fango-Packungen werden erwärmt und aufgelegt, pulverisierte Kreide wird als Maske aufgetragen und saugt Schlackestoffe aus der Haut.

Meeresschlick aus dem Wattenmeer ist der reinste Erdextrakt und führt der Haut Feuchtigkeit zu. Schwefel, Kieselsäure und Jod machen sie elastisch. Ein Bad im Schlick regt Hautdrüsen und Hautstoffwechsel an, durch die Erwärmung scheidet die Haut auch Harnsäure aus, was Gichtpatienten besonders schätzen. Mit Algen angereicherter Schlick findet im Rahmen mancher Thalasso-Kur Anwendung. Körperpackungen mit Meeresschlick werden gerne als „asiatisches Körperpeeling“ angeboten.

Moorbäder bestehen im Gegensatz zum vornehmlich mineralischen Fango aus überwiegend pflanzlichen Bestandteilen. Seit mehr als 200 Jahren gibt es in Deutschland Badeorte, die Moorbäder zur Entspannung und als Therapie anbieten. Heilmoor unterliegt dem Arzneimittelschutzgesetz und gilt heute als Therapeutikum der Naturheilmedizin, doch schätzen auch Wellness-Urlauber die schwabbelige Masse, die mit ihrer Wärme wunderbar entspannt und wie Balsam auf gestresste Nervenkostüme wirkt.

Zum Schluss sei eine besonders wohltuende und auch die Laune hebende Anwendung heilender Schlämme erwähnt: das orientalische Rasulbad. Nach einer intensiven Körperreinigung werden verschiedenfarbige Schlämme gereicht, mit denen man sich selbst oder einen Partner vom Gesicht bis zu den Zehen einreibt. So zum „schönen Wilden“ geworden, genießt man nun eine halbe Stunde ein wohliges Dampfbad, vielerorts kombiniert mit farbigem Licht und entspannenden Klängen. Weiteres Verreiben der farbigen Erde ergibt ein tolles Körper-Peeling, das zum schönen Schluss der Dampfbad-Phase mittels eines heftigen „Regens“ oder über Schlauchgüsse abgewaschen wird. Es folgt sorgfältiges Einölen zur Rückfettung der Haut, danach ein wenig Ruhe - und schon fühlt man sich wie neu geboren!

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